Ganz Island unter der Sonne - 2012 - Norður Ísland - Nordisland

 

10.6. Auf in den Norden

Heute mussten wir das erste Ferienhaus verlassen, also war mit ausschlafen nichts, denn die Ferienhäuser mussten wir selbst reinigen. Heute ging es in Richtung in Norden, ca .720 km lagen noch vor uns und wie viel Stunden wir dafür bräuchten  war uns nicht so ganz klar.

Rechts hinter einer Brücke inmitten des Skeidararsandur, kurz vor dem Skaftafellsjökull legten wir einen Fotostop ein, um die moderne Sanderbrücke und die im Hintergrund von der Sonne angestrahlten Gletscher und Berge abzulichten. Wir stoppten noch ein zweites Mal  am Jökulsárlón, aber wieder war die Sonne nur über dem Gletscher selbst. Der See war wieder unter grauen Wolken. So stoppten wir nur kurz am See und fuhren direkt zum Strand. Auch dort wurden wir leicht enttäuscht, denn im Gegensatz zu vorgestern lagen dort nur vereinzelt Eisskulpturen. Wir machten trotzdem Fotos. Und so ging es immer weiter, immer wenn wir ein interessantes Motiv sahen, wurde gestoppt. Besonderes toll war eine Herde Islandpferde vor einer Ruine.

In Höfn machten wir die erste große Pause und da es Mittagszeit war, gingen wir in Kaffi Hornid essen. Das Essen und der Service war nicht besonders gut.

Nachdem wir den Tunnel hinter Höfn passiert hatten, wurde eine weite Lagunenlandschaft zur rechten sichtbar. Auf der gegenüberliegenden Seite lagen die hohen Berge. An der Spitze bei Hvallnes angehalten, damit ich den dortigen Leuchtturm fotografieren konnte. Zwischen Krossanes und Pvotta auf einen Parkplatz direkt unterhalb der Ringstraße gefahren. Am Strand ein Felsen, welcher hervorragend für Langzeitbelichtungen geeignet zu sein schien. Leider zog sich die Sonne hinter eine graue Wolkendecke zurück. Einziger wesentlicher Nachteil: kein vernünftiger Weg hinab zum Strand. Nach diesem doch recht langen Zwischenstopp fuhren wir weiter an der Küste entlang. Dieser Abschnitt war noch vor einigen Wochen aufgrund eines Sturmes gesperrt worden.

In Breidalsvik vollgetankt und es ging Richtung Hochland. Hier ist die Ringstraße für ca. 20 km eine Schotterstrecke. Ich fand irgendwann richtig Gefallen daran, solche Straßen zu fahren und wir mussten erstaunt feststellen, dass man solche Strecke eher schneller fahren sollte, damit man nicht jede Unebenheit mit nimmt. Die Strecke im Hochland zog sich und es wurde später und später. Gegen Mitternacht kamen wir im Námafjall, einem Vulkan und dessen Solfataren- und Fumarolenfeld, an. Solfatare sind 100 bis zu 250 °C heiße Ausströmungen von vulkanischen Gasen und Dämpfe, die hauptsächlich Schwefelwasserstoff, Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf enthalten. Eine Fumarole ist eine vulkanische Dampfaustrittsstelle, hauptsächlich aus Wasserdampf bestehend. Bereits während des Parkens, rochen wir den Schwefelwasserstoff. Durch den späten Zeitpunkt war das Licht perfekt, aber die Müdigkeit überwiegte und so gab es nur wenige Aufnahmen. Hinter der kleinen Passhöhe lad der Mývatn (Mückensee). Über dem ganzen See lagen mehrere Nebelfelder  und dies sehr schön anzusehen. Leider lag Nebel auch teilweise über den Straßen. Das Autofahren wurde sehr anstrengend, insbesondere weil wir nun schon seit fast 14 Stunden unterwegs waren. Nach einer weiteren Stunde waren wir am Goðafoss angekommen. Nun waren wir fast am Ziel. Hinter dem Wasserfall ging dieSchotterstraße in Richtung Engi ab. Von hier aus ging es noch 28 km bis zu unserem Ferienhaus. Gegen zwei Uhr waren wir endlich da, nur noch ausräumen und dann auf den kürzestem Weg ins Bett.

 

11.6. Erst mal langsam ankommen

Für den heutigen Tag war erst Mal ausschlafen angesagt. Die Tour gestern war sehr anstrengend und wir wollten den heutigen Tag langsam angehen lassen. Wie jeden Tag wurde per Internet die Wettervoraussage gecheckt und der Spruch „Ganz Island unter der Sonne“ bewahrheitete sich wieder einmal. Da unsere Terrasse windgeschützt lag, konnten wir sogar draußen frühstücken.

Wir wollten erstmal nach Akureyri ein paar Besorgungen machen und dann sollte es nach Husavik, einem sehr malerisch gelegenem Hafen, gehen. Von hier aus werden Whalewatching-Touren angeboten, auf welche eine 98% Garantie geben wird, das man auch Wale entdeckt. Aber zu erst stoppten wir am Goðafoss, dem Götterwasserfall. In Akureyri selbst hielten wir uns nicht lange auf, wir gingen nur kurz einkaufen und nahmen in der  Touristeninformation noch Infomaterial mit. Auf der Rückfahrt kamen wir wieder am Flughafen vorbei, dessen Landebahn weit ins Wasser des Fjords gebaut war. Um nach Husavik zu kommen müssten wir wieder fast bis zum Goðafoss zurück fahren um von dort aus Richtung Husavik zu fahren. Unterwegs kamen wir an einem Auto-Museum mit draußen befindlichen nicht renovierten Fahrzeugen oder eher gesagt Schrottwagen vorbei. Als wir in Husavik ankamen, war es schon wieder Abend.  Unser Zeitgefühl war so langsam aber sicher vollkommen daneben. Der Hafen liegt wirklich sehr malerisch an einem Fjord  und die schneebedeckte Berge im Hintergrund. Am Hafen erkundigten wir uns nach einer Waltour und entschieden uns, diese erst am morgigen Tag durchzuführen. Am Hafen gab es mehrere Lokale und unsere Wahl fiel auf eins, welches einem schönen Blick auf den Hafen hatte und wo wir in einem Zelt draußen sitzen konnten. Der Kellner empfahl uns ein Gericht mit frisch gegrilltem Lammfleisch, welches wir alle drei bestellten und begeistert aßen. Das Lammfleisch war zwar nicht viel, aber das drum herum: die Soße und die gesamte Zubereitung war einfach köstlich.

Auf den Rückweg wollten wir noch mal ins Námafjall, wir hofften auf eine bessere Lichtstimmung gegenüber gestern, als wir um Mitternacht dort war. Es gab von der Husavik eine direkte Straßenverbindung, welche ein kleines Stück durch das Hochland führte. Leider kamen wir zu spät in das Solfatarenfeld, es lag schon wieder im Schatten. Wir fuhren weiter ins direkt daneben gelegene Krafla Gebiet, welches eins der vulkanisch aktivsten Gebiete Island ist. Auch hier liegt ein geothermal Gebiet mit einen Kraftwerk und einem Kratersee, dem Viti. Es war aber schon wieder 23:00 als wir dort ankamen. Wir gingen nur noch teilweise den Kraterrand des Viti entlang. Die Aussicht von dort aus war toll, obwohl ich erst gar nicht mehr da hoch wollte, weil ich einfach schon sehr müde war. Für das gegenüberliegende, das am Viti-Krater liegenden Solvataren-Feld hatten wir nicht mehr genügend Puste und die Lichtverhältnisse kurz vor Sonnenuntergang hätten wohl auch keine guten Bilder ergeben.

Diesmal sind wir nicht die Ringstraße 1, sondern die alte Ringstraße am Mývatn vorbei gefahren. Irgendwie haben wir  nicht die Abzweigung der Ringstraße mitbekommen, sondern fuhren weiter nach Norden, Richtung Husavik. Erst 10 km vor Husavik merkten wir aufgrund des markanten Flughafens, das wir nicht richtig sind. Somit ca. 70 km für nix gefahren und wieder einmal recht spät im Ferienhaus angekommen.

 

12.6 Walwhatching

Gestern Abend bzw. heute Morgen wieder zu spät insBett gegangen waren und mit 9 Uhr vergleichsweise spät aufgestanden. Nachdem wir gefrühstückt und alles zusammen gepackt hatten, sind wir die Schotterpiste Richtung Sprengisandur gefahren. Dort sollte sich ein weiterer schöner Wasserfall, der Aldeyjarfoss, befinden. Dank eines handgemalten Hinweisschildes haben wir den Wasserfall direkt gefunden. Die Szenerie als solches, unabhängig vom Wasserfall ist schon beeindruckend: Nach dem Wasserfall fließt der Strom an grauen Basaltsäulen vorbei, in weitem Bogen an einer riesigen Felswand vorbei, breit mit vielen Schwällen und leicht verblockt Richtung Goðafoss.

Da die Sprengisandur leider noch geschlossen war, kehrten wir über die Schotterpiste zum Goðafoss zurück. Inzwischen hatten wir festgestellt, dass man diese Pisten eher mit 70 km/h fahren sollte, denn dann merkt man nicht jede Unregelmäßigkeiten der Piste. Am Goðafoss gab ein Cafe mit angeschlossenem Shop. Dort erstand ich meinen gewünschten handgestrickten Islandpulli bzw. Jacke. Im Etikett war vermerkt, dass er von der Bäuerin des dritten Hofes auf der 843 gestrickt worden ist.

Wir wollten erst gegen späten Nachmittag unserer Waltour antreten und uns auch noch ein paar Leuchttürme hinter Husavik anschauen. Leider hatten wir wieder das Problem wie an der Südküste, gesperrt wegen brütender Vögel. Na ja besonders toll war der Turm auch nicht und so entschlossen wir direkt die Waltour anzutreten.

Also zurück zum Hafen und Tickets gekauft. Conrad nahm vorsichtshalber noch die angebotene halbe Tablette gegen Reisekrankheit. Die Besatzung betonte mehrmals, dass die See draußen sehr windig und mit höherem Wellengang zu rechnen sei…nichts für Jürgen, der seekrank wird. Er wollte in einem Cafe im Hafen auf uns warten. Wir schälten uns in die wärmende orangenfarbenen Overalls. Leider war bei meinem Overall der Reißverschluss defekt und es gab keinen weiteren in meiner Größe. Bei der Ausfahrt bekamen wir Instruktionen wie die Richtungsanzeige per Uhr funktioniert und welche Walarten möglicherweise zu sehen sind. Es war wirklich sehr windig und das Schiff rollte. Ich liebe solche Touren und so dauerte es nicht lange, dass ich mich ins Bug stellte und die Wellen genoss. Ab und zu erwischte ich eine Welle und so wurde ich allmählich nass. Meine Kamera schütze ich mit dem Overall, aber da er nicht zu ging, waren irgendwann auch meine Jacke und Hose teileweise nass. Ich merkte es kaum, weil ich immer aufs Meer schaute. Und plötzlich taucht ein Pottwal direkt vor unserem Schiff auf. Mist so nah hatte ich damit nicht gerechnet. Mit meinen großen Teleobjektiv bekam ihn nicht gut aufs Bild. Zum Glück waren wir zu zweit und Conrad hatte mein kleines Tele und auch den richtigen Blickwinkel und erwischte die Schwanzflosse. So nah sahen wir danach die Wale nicht mehr, obwohl die Crew alles dafür tat, inklusive einem Standortwechsel, dass wir weitere Wale zu Gesicht bekamen. Dort sahen noch einen Zwergwal. Ebenso konnten wir viele Papageivögel beobachten. Diese Vögel sind zwar gute Taucher, aber ihre Flugkünste sind nicht besonders. Dies konnten wir häufig beim Landeflug beobachten. Durch den Standortwechsel dauerte unsere Fahrt nicht eine Stunde, sondern drei. Auf der Rückfahrt wurde zum aufwärmen heißer Kakao und eine Zimtschnecke gereicht. Wir bewunderten den Steward, wie er trotz starken Wellengangs ein Tablett mit Kakaotassen reichte, ohne das es schwappte und die Tassen vom Tablett fielen.

Nach dieser Tour mussten wir uns erst einmal aufwärmen. Da die Stube in Parterre bis auf einen großen Tisch komplett besetzt war, bot uns der Kellner den Platz an einem langen Tisch im ersten Stock an. Wir setzten uns direkt ans winzige Fenster mit der perfekten Aussicht auf den Hafen. Wir bestellten  wie üblich Hamburger mit Kartoffel und Salat bzw. BBQ-Toast.

Entsprechend gestärkt fuhren wir zurück zum Ferienhaus. Die geplante Fotosession am Goðafoss musste wegen Mangels an ausreichendem Licht, korrekter wegen Schatten im Wasserfallbereich ins Wasser fallen. Wir waren selten so früh auf dieser Urlaubereise im Bett.

 

13.6 Alle Wege führen nach Husavik

Während des Frühstückes traten die ersten blauen Flecken am Himmel auf und als wir auf dem Weg zum Fahrzeugmuseum in Ystafelli waren, befand sich „ganz Island unter der Sonne“. Mit einzelnen Schäfchenwolken das ideale Fotografierwetter.

Der Ausflug zum Fahrzeugmuseum Samgönguminjasafnið Ystafelli erwies sich hauptsächlich  für die Männer als Glücksfall. Im Innenbereich war eine Autowerkstatt mit einem Fiat Topolino errichtet. In der gleichen Halle standen unterschiedliche Fahrzeuge wie geschlossene Schneemobile, Traktoren, Motorräder, amerikanische Straßenkreuzer, LKW´s etc. In einer etwas oberhalb gelegenen Halle wurden Autos wie Leichenwagen, Geländewagen und die obligatorischen amerikanischen Straßenkreuzer präsentiert. Nach kurzer Kaffeepause die Außenanlage besichtigt. Manch ein Zeitgenosse würde dies als sehenswerten Schrottplatz bezeichnen.

Eigentlich wollte ich noch einen Rundflug machen, aber da ich keine Antwort auf Mail und Telefonat bekommen habe,  hatte ich dieses Thema abgehackt. Doch Jürgen und Conrad überredenden mich aufgrund des tollem Wetters doch dort vorbei zu fahren und nachzufragen. Auf meine Frage bekam ich  zur Antwort: „die Tour über Mývatn, Krafla, Dettifoss, Ásbyrgi würde in 5 Minuten starten.“ Also machte ich zwei Kameras fertig, eine mit dem großen und eine  mit den kleinen Tele. Der Pilot warte nur noch auf mich, das ich fertig wurde und schon ging es los. Wir waren zu viert an Bord. Die zwei Männer vor mir filmten. Es war toll, vieles was wir auf der Erde schon gesehen hatten, von oben zu betrachten. Später ging es an der Schlucht des  Jökulsá á Fjöllum und dessen drei Wasserfälle, am Dettifoss, Selfoss und des Hafragilsfoss bis zu Ásbyrgi Schlucht vorbei. Nach 50 min war es leider schon wieder vorbei und ich hatte wieder festen Boden unter den Füssen.

 

Vom Flughafen aus fuhren wir in Richtung Námafjall und Dettifoss. Am Solfatarenfeld war leider noch zu viel los und so fuhren direkt weiter zum Dettifoss, dem größten Wasserfall Europas. Wir wollten auf derjenigen Seite des Wasserfalls fahren auf dem nur 4x4 Fahrzeuge erlaubt sind. Zu unserer Verwunderung war dieser Weg vor nicht allzu langer Zeit nahezu besser ausgebaut worden als die Ringstraße selbst. Am Parkplatz des Dettifoss stand wieder das Wohnmobil von Iglhaut aus Hamburg, welches wir schon am Goðafoss und Aldeyjarfoss gesehen hatten. Über dem Dettifoss war dann der erste Regenbogen über einem Wasserfall. Je nach Blickwinkel waren es sogar zwei. Leider war es von keinem Platz aus möglich den Dettifoss komplett aufs Bild zu bekommen. Wir wanderten ca. 15 min von dort aus noch zum Selfoss, auch hier gab es keinen vernünftigen Weg direkt daran zu kommen. Also machte ich mit meinem kleinen Tele ein Bild. Zum Schluss fuhren wir wieder zum Námafjall. Diesmal waren wir zu rechten Zeit dort und tobten uns mit den Kameras aus. Gegen Ende des Abends überlegten wir, ob wir noch ins Solvatarenfeld des Kraflagebiet fahren sollten. Da es aber mindestens eine ¾ Stunde zu Fuß vom Parkplatz entfernt war und wir morgen in Richtung Westen fahren mussten, um ins letzte Ferienhaus zu kommen, entschieden wir uns für den Rückweg nach Engi. Der Rückweg zog sich ein wenig in die Länge. Wir verpassten zwar die Abzweigung der Ringstraße erneut, fuhren aber eine Nebenstrecke um nicht erneut fast Husavik zu erreichen. Daraus entwickelte sich ein geflügelter Satz: „ Alle Wege führen nach Husavik.

Weiter geht hier : Island`s Westen

Weitere Bilder gibt es unter dem Fotoalbum Island zu sehen.