Mit einen Youngtimer durch Island

….und was man(n) nicht machen sollte

 

Wir sind wieder nach Island unterwegs. Das es so schnell wieder dazu kommen würde, hätten wir nicht gedacht. Durch einen Zufall sind wir für wenig Geld an einen 20 Jahre alten 4&4 Wagen, genauer gesagt einen Opel Frontera, gekommen. Nachdem wir erst einmal den Wert des Wagens fast verdoppelt haben, in dem wir neue All-Terrain-Reifen und neue Stoßdämpfer einbauen ließen, ging es Ende Juli los. Diesmal sollte es mit der Fähre nach Island gehen.

Diese Reise war für mich die komplizierteste Reise, welche ich je gebucht habe, da wir die Reiseroute schon vorab festlegten mussten. Wir gingen davon aus, da es Hochsaison in Island war, daß die Übernachtungsmöglichkeiten alle vorab gebucht worden müssten. Aber es sollte alles anders kommen.

 

28.07. 2013 Der Weg ist das Ziel Teil 1

Da wir ganze zwei Tage Zeit hatten, die Fähre zu erreichen, ließen wir es langsam angehen. Unseres erstes Etappenziel waren die Elbterrassen in Hamburg um zu frühstücken. Dieses Ziel erreichten wir nach 5 Stunden Fahrzeit gegen 10:00. Die Investitionen in  den Wagen machten sich auf der Strecke bemerkbar. Er lag deutlich ruhiger auf der Straße, so dass man auch mal 110-120 km fahren konnte. Der Benzinverbrauch mit 9,3 Liter / 100 km war deutlich geringer, als wir es erwartet hatten.

Nach dem ausgiebigen Frühstück wollten wir weiter nach Seebüll ins Emil Nolde Museum, in dem Jürgen schon vor 30 Jahren einmal gewesen war. Leider gab es auf der Strecke eine Vollsperrung, so dass wir eine ganze Stunde verloren und erst gegen 16:00 im Museum ankamen. Jürgen stellte mit Erstaunen fest, dass sich das Museum ein wenig verändert hatte. Nach 30 Jahren kein Wunder :-). Im neu erbauten Forum, wurde gerade, als wir dort ankamen, ein Film über das Leben des Malers gezeigt. Der Film dauerte 60 Minuten. Da wir am Morgen ziemlich früh aufgestanden waren, unterbrach ich es den Film, um stattdessen in den  wunderschönen Garten zu gehen, der von Emil Noldes Frau Ada angelegt worden war. Als Jürgen dazu kam, gingen wir noch ins Wohnhaus, dort wurden Emil Noldes Bilder in einer kleineren Ausstellung gezeigt. Dem Museum war noch ein kleines Restaurant angeschlossen, welches von einer Gruppe Sinnesbehinderter geführt wird. Ich habe selten so gut und edel gegessen und der Nachtisch war ein Traum. Anschließend ging es in den ca. 3 km entfernt gelegenen Gasthof, wo wir übernachteten.

 

29.7. 2013 Der Weg ist das Ziel Teil 2

Es geht in Richtung Hirthals, leider mit einem Abstecher nach Flensburg, um dort ein Stativ zu kaufen. Halt ! War da nicht letztes Jahr auch was mit einem Stativ in Island? Richtig, letztes Jahr ist mein altes Stativ am Leuchtturm liegen geblieben. Leider blieb dasNeue diesmal direkt zu Hause. Stativ und Island scheinen nicht zusammen zu passen.

Der weitere Weg nach Hirthals verlief danach sehr entspannt. Kurz vor Hirthals  verließen wir die Autobahn, um an den Leuchtturm von Rubjerg Knude  zu fahren. Dieser Leuchtturm ist von einer Wanderdüne umgeben. Als er 1900 gebaut worden ist, war er vom Meer 200 m entfernt. Nun steht der Leuchtturm fast direkt am Meer und wird wohl die nächsten 10-20 Jahre ins Meer stürzen. Nach einem längeren Fotostopp und Pause sind wir weiter über eine Nebenstrecke nach Hirthals. Dort kamen wir noch  am Leuchtturm von Hirthals vorbei. Nach einer kurzen Hafenbesichtung aßen wir noch eine Kleinigkeit. Danach fuhren wir weiter zur nächsten Übernachtung, in einen Pferdehof ca.15 km entfernt. Nach einmaligem Nachfragen, fanden wir den Pferdehof in einer Feriensiedlung. Abends machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Strand.

 

30.7.2013 – 1.8.2013 Fährfahrt

Mit einer leichten Verspätung ging die Fähre Norröna auf die Reise. Nach dem ich unsere  Doppelbettkabine bezogen hatte und Jürgen  das Auto auf die Fähre gefahren hat, setzten wir uns bei schönstem Sonnenschein auf das Deck der Fähre. Danach ging es auf Entdeckungstour. Wir vertrieben uns die Zeit mit Spielen und Lesen. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, passierten wir gerade die Shetlandinseln. Am Nachmittag liefen wir die Färöer an. Der Hafen Torshavn liegt malerisch in einer geschützten Bucht. Nach einer Stunde ging die Fahrt weiter, jedoch nicht um die Inselgruppe herum, sondern mitten durch. Die Landschaft war abwechselnd in Nebel gehüllt und von der Sonne beschienen. Dies machte die Stimmung  sehr mystisch. Nach der Inselgruppe wurde die See ein bisschen unruhiger, so dass wir in der Nacht recht schlecht schliefen. Jürgen ließ am nächsten Morgen vorsichtshalber das Frühstück ausfallen und wir kamen gegen 10 Uhr in Island an.

 

01.8.2013 Willkommen Island

Das Abladen der Autos ging recht zügig, ebenso die Zollabfertigung und kurz nach 11 Uhr ging es dann Richtung Höfn. Unsere erste Übernachtung war in Hof ca. 30 min vom Jökulsárlón gelegen. Ich hatte mich bewusst für diese Ecke entschieden, da ich hoffte den See mit seinen Eisbergen diesmal im Sonnenlicht zu fotografieren. Je weiter wir nach Süden kamen, umso mehr  lockerten sich die Wolken auf. Am Jökulsárlón angekommen war es sehr sonnig und auf dem See waren diesmal doppelt bis dreifach so viele Eisberge, als im Vorjahr. Auch am Strand lagen wieder die Eisblöcke und glitzerten um die Wette. Ich wäre noch Stunden dort geblieben, doch wir sollten gegen 18:00 im Hotel Hof sein. Das Hotel in Hof, einem kleinen Ort, ca.30 min vom See entfernt,  fanden wir auch recht schnell. Es war ein ehemaliger Bauernhof, der zu einem Hotel ungebaut worden ist. Wir buchten das Dinner dazu, welches Fisch oder Lamm sein sollte. Wir nutzten nach dem Einchecken, den Spa-Bereich, mit einem Whirlpool und einer Sauna. Nach der langen Autofahrt, tat das Bad im 42°C warmen Wasser sehr gut. Dafür war das Abendessen eher enttäuschend. Lamm gab es gar nicht und der Fisch war eher Frostware als frisch, einzig die Soße war lecker. Wir fuhren nach dem Essen noch einmal zum Jökulsarlon und genossen den dortigen Sonnenuntergang. Jürgen ließ es sich nicht nehmen, den von mir aus Schottland mitbebrachten Ben Nevis Whisky mit ca. 1000 Jahre altem , frischen Gletschereis zu genießen.

 

02.08.2013 Was man(n) nicht machen soll

 

Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne schien und so machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg weiter in Richtung Hvolsvöllur. Dort wollten wir 3 Tage bleiben, bevor es auf die Sprengisandur gehen sollte. Leider kam es dann doch alles anders.

Vorher wollten wir noch die erste so genannte F-Straße (diese dürfen nur mit Allrad gefahren werden) befahren.  Wir hatten uns für die F206,  welche in  Richtung Lakispalte führt, entschieden. Unterwegs wollten wir einen Canyon durchwandern und auch ein Wasserfall lag auf dem Weg. Für mich war es auch eine Premiere, denn ich fuhr zum ersten Mal durch eine  Furt. In die zweite Furt fuhr ich leider zu langsan hinein und plötzlich drehten sich die Räder durch. Also Allrad rein und schon ging es weiter. Am Wasserfall Fagrifoss  machten wir dann Pause und entschieden uns, dass wir nicht weiter Richtung Laki fahren, sondern aus Zeitmangel umkehren sollten. Nun fuhr Jürgen unseren Frontera. An der zweiten Furt wollte Jürgen, das ich das Geschehen filme, also lud er mich auf der anderen Seite aus und furtete noch einmal zurück. Weil es mit dem Filmen nicht klappte wiederholten wir es noch einmal. Da er das Furten besser machte wollte wie ich, fuhr mit recht hohem Tempo durch den Bachlauf und das Wasser spritzte ziemlich hoch. Wir dachten an nichts Böses und fuhren weiter. Kurz nach der Furt, wollte unser Fronti nicht mehr weiter und bliebt nach ca. 500 m einfach stehen. Wir konnten gerade noch den Wagen am Rand abstellen. Motorhaube auf, aber wir konnten nichts entdecken,. Zusätzlich hatten wir kein Handynetz. Aber das zweite Auto hielt an und dessen isländischer Fahrer wollte den Rescue-Service rufen und nahm mit seinem Navi unsere GPS-Daten auf.  Da die Sonne schien machten wir es uns auf einer Decke gemütlich. Dort warteten wir nun auf den Rescue-Service, welcher schon nach ca. 1 Stunde kam. Dieser war erstaunt, dass wir nicht in der Furt festsaßen, sondern am Straßenrand standen. Der Isländer hatte unsere Situation ein wenig heftiger geschildert, wohl damit wir nicht so lange auf Hilfe warten mussten. Auch die Helfer konnten keine Fehler finden und so boten sie uns an, uns zur nächsten Werkstatt in Kirjubaerklaustur für 20000 ISK (ca.126 €) abzuschleppen. Alternativ hätten wir  auf den Abschleppservice warten können, wobei dies aber noch etwas dauern könnte. Wir entschieden uns für die erste Variante und ich durfte dann in den Superjeep einsteigen, während Jürgen und der Rescuehelfer im Frontera saßen.

In der Werkstatt angekommen, sagte uns der Mechaniker, dass er keine Zeit hätte. Er würde uns aber seinen alten Mechaniker in 2-3 Stunden vorbei schicken, wenn dieser mit Rasenmähen fertig wäre. Auf dem Hof der Autowerkstatt standen auch ein Expeditionsfahrzeug aus Berlin von der Firma erlebnis-offroad.com. Ein Versuch war es wert und so quatsche ich sie einfach an, ob sie Ahnung von Autoreparatur hätten und sie hatten! Nach ca. 1 Stunde Fehlersuche war es klar, dass die Zündspüle hinüber ist, dies wäre zum Glück nicht so schwer zu beheben. Deren Problem war augenscheinlich deutlich größer. Ihr Mercedes LKW hatte einen Riss im Motor und es war nicht klar, wie lange der Motor noch halten würde. Wir wechselten unsere email-Adressen aus und wollten uns melden, wie es uns weiter ergangen ist. Zum Dank schenkten wir Ihnen noch eine Weinflasche aus unserem Vorrat, welche wir bewusst für solche Fälle mitgenommen hatten. Später kam dann auch der alte Mechaniker der Werkstatt und bestätigte die Diagnose: "kaputt". Zu den Zeitpunkt war allerdings schon der letzte Bus Richtung Holtsvöllur weg. Da es kaum Übernachtungsmöglichkeiten in Kirkjubæjarklaustur gab, entschieden wir uns für eineTaxifahrt, die uns am Ende 320 € gekostet hat. Dank dem ADAC brauchten wir allerdings nur die Hälfte bezahlen, da wir seit unseren eklatanten Problemen mit unserem Ford Galaxy, eine ADAC Plus-Mitgliedschaft besaßen. Kurz vor 24 Uhr kamen wir dann endlich am Farmhaus an, wo wir die nächsten drei Nächte bleiben sollten. Wir bekamen ein sehr kleines Zimmer mit einem herrlichen Ausblick auf den Eyjafjallajökull,. Ja, dies ist der Vulkan, welcher im Jahre 2010 den Flugverkehr in Europa lahm gelegt hatte. Heute sah er harmlos aus und er gehört auf Island auch eher zu den ungefährlicheren Vulkanen, da er seit der Besiedlung erst dreimal ausgebrochen ist.

 

3.8. 2013 Wir entdecken Island mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Nachdem unsere Vermieterin von unseren Pech hörte, bot sie uns an in den Ort, welcher 5 km entfernt war, zu fahren. Von dort aus könnten wir mit dem Hochlandbus nach Thörsmork fahren. Wir nahmen das Angebot dankend an, ohne zu wissen dass wir das alles am Ende teuer bezahlen müssen, aber erst einmal waren wir ahnungslos. Laut ihrer Aussage bekämen wir nicht einmal in Reykjavik  einen Mietwagen, da alle Geschäfte aufgrund des langen Feiertagswochenendes zu wären. Nach Thörsmork wären wir mit unserem Fronti niemals gefahren, denn die Furten auf diesen Strecken sind nur für Superjeeps gedacht, aber nicht für unseren Opel Frontera. Aber man muss halt flexibel sein, wenn die Reise nicht wie geplant verläuft.

 

Die Reise mit dem Hochlandbus war schon recht abenteuerlich und ein Erlebnis für sich.  Auf dem Hinweg hielt der Bus an verschiedenen Aussichtspunkten für ca. 10 min, so dass wir aussteigen und ein paar Fotos machen konnten. Erster Haltepunkt war der Sejlandfoss. Da aber die Sonne nicht schien, machte ich nur ein, zwei Fotos, bevor es dann weiter ging. Nächster Halt war Gigjokull., eine Gletscherzunge. Vor dem Ausbruch des Eyjafjallajökull  befand sich hier noch ein größerer See, der Lónið . Dieser See wurde durch den Vulkanausbruch 2010 mit Asche und Sedimente vollständig aufgefüllt und verschwand.  Die Gegend wurde immer unwirklicher, auf dem Myrdalsandur sah man immer wieder kleine Sandstürme, umso erstaunter waren wir  als Thörsmork zu Vorschein kommt, überall Bäume…eine Oase mitten in der Sanderfläche und vom Gletscher umgeben. Mich erinnerte die Landschaft hier eher an die Mosel, als an Island. Wir hatten drei Stunden Aufenthalt und so machten wir eher einen Spaziergang, keine Wanderung. Abends gingen wir auf die Empfehlung unserer Vermieterin, in das Art Cafe in Hvolsvöllur sehr lecker essen. Jürgens Fisch, so wie mein Lamm schmeckten vorzüglich.

                                                

4.8.2013 Zweiter Tag ohne Auto

An diesen Tag sollte es nach Landmanalaugur per Bus gehen. Da der Bus von Hella (ca.35 km entfernt ) startete, bot uns unsere Vermieterin ihr Auto an. Nur an den Benzinkosten sollten wir uns beteiligen. Von unserer Seite aus kein Problem. Nach einem perfekten Frühstück fuhren wir los. Das Frühstück in diesem Farmhaus war eines der Besten was wir je auf allen unseren Reisen bekommen haben.

Landmanalaugur gehörte auch zu den Zielen, welches wir mit unserem eigenen Wagen angefahren hätten. Jürgen wollte unbedingt in den Hot Pot und mich reizten die bunten Rhyolithberge, die beige, rötlich und grün schimmern. Als wir im Bus saßen, merkten wir, dass wir heute sogar ein kleines Stück der Sprengisandur fuhren. Nämlich genau die Strecke, welche wir mit unserem eigenen Frontera fahren wollten. Dank WLAN im Bus konnte ich meinen Fotofreunden immer wieder ein paar Handyfotos via Facebook senden. Der einzige Nachteil vom Bus war, dass ich nicht aussteigen konnte, wann ich wollte. So machte ich die Fotos aus dem Fenster, welches manchmal auch ganz gut funktionierte.

In Landmanalaugur gingen wir zu erst einmal in den Hot Pot. Es war unser erster Besuch in einem natürlichen Hot Pot und dem entsprechend gespannt waren wir. Das Ausziehen bei einer Außentemperatur von ca.12°C kostete schon ein wenig Überwindung, doch die Wassertemperatur lag zwischen 38-42°C, teilweise noch höher und somit grade noch angenehm.
Nach ca. 1/2 Stunde gingen wir langsam aus dem Wasser heraus. Da wir sehr aufgeheizt waren, war das Herausgehen kein Problem. Die Sonne kam nun auch heraus und wir machten noch eine kleine Wanderung  auf dem berühmten Wanderweg Laugarvegur.  Nach drei Stunden ging es leider wieder mit dem Bus zurück. Zum Glück aber nicht dieselbe Strecke, sondern über die F225, welche direkt an der Hekla vorbei führte. Abends machten wir noch eine Wanderung an unserem Farmhouse.

 

5.8 Wieder mobil

Nach langen Überlegung entschieden wir, dass wir noch eine weitere Nacht im unserem Farmhouse zu bleiben. Inzwischen hatten wir schon die erste bereits gebuchte Nacht gecancelt, denn uns war nun klar, dass wir die Sprengisandur nicht mehr fahren können und ob wir es in die Westfjorde schaffen würden, war auch noch nicht klar. Auf Grund des heutigen Feiertages war unsere Überlegung nach Hvergerdi zu fahren und von dort aus ins Hengill Tal zu wandern und dort in einem warmen Bachlauf baden zu gehen. Vorher wollten wir nach Rejakvik und schauen, ob wir dort nicht doch irgendwie einen Mietwagen bekommen könnten. Wie der Zufall es wollte fanden wir im Bus ein Prospekt eines Autovermieters, direkt am Busbahnhof BSI. Ein Anruf und es war klar, das wir  heute wieder mobil sein werden. Dort angekommen, ging alles ziemlich schnell, so das wir kurz darauf in Richtung Hvergerdi unterwegs waren. Jürgen hatte eine gute Beschreibung von der Wanderung zum Bach und so fanden wir den Parkplatz direkt.  Der Weg ging ziemlich steil aufwärts und ich fluchte schon bald darauf. Zu meinem Göttergatten meinte ich nur: ich hoffe, die ganze Anstrengung  lohnt sich, wehe nicht. Nach ein 1 Stunde und 15 Minuten waren wir dann endlich am Ziel angekommen und die ganze Anstrengung war vergessen. Der Bach war an verschiedenen Stellen mit Steinen aufgestaut und so fand jeder sein Plätzchen. Die Badekultur der Isländer muss man einfach lieben.

 

6.8. Ersatzteil gesucht….

Oder wir lernen zwischen Holtsvöllur und Reykjavik jede Möglichkeit kennen, wo man Ersatzteile bekommen kann, nur nicht für unseren Wagen.

Leider erlebten wir nach dem Frühstück , das die Vermieterin unsere Situation ausnutzte und uns viel Geld aus der Tasche zog. Als wir die letzte Übernachtung im Farmhaus Fragahild bezahlen wollten, wurde eine Rechnung aufgemacht, welche ich als Wucher bezeichnen würde. Insbesondere deswegen, weil diese Kosten bis auf die Benzinkosten nach Hella, vorher nie erwähnt wurden. Hier die Auflistung der Kosten:

Abholung von der Bushaltestelle Holtsvöllur (5km) : 20€

Fahrt zur Bushaltestelle Hella (35 km): 40€

PKW Miete pro Tag: 110€ (Hinweis: Offizieller, nagelneuer etwa gleichgroßer Mietwagen kostete 80€)

Summa summarum: 170€

Leider müssten wir auch noch gute Miene zum bösen Spiel machen. Sie war unsere Adresse für das Paket mit der Ersatz- Zündspule, welches mit DHL Express seit Samstag unterwegs war. Wenn ich in Deutschland bin, werde ich auf jeden Fall bei Tripadvistor und booking.com eine entsprechende Beurteilung über dieses ünverschämte Verhalten hinterlassen. Also fuhren wir so schnell wie möglich mit einer ziemlichen Wut im Bauch von dannen.

Als wir los fuhren, waren wir noch voller Hoffnung, dass wir unsere Zündspule bekommen würden und so fuhren wir die erste Werkstatt an. Dort nur ein Kopfschütteln, aber mit dem Hinweis, dass  wir die Spule vielleicht in Selfoss bei einem KFZ-Ersatzteil-Großhändler bekommen könnten. Also weiter nach Selfoss. Dort angekommen, wieder ein Kopfschütteln und der Hinweis das unser Auto einfach zu alt ist. Über einen Autohändler bekamen wir eine Adresse eines Schrotthändlers, der sich ebenfalls in Selfoss befand. Auch hier bekamen wir das Teil nicht und so langsam dämmert es uns, das wir für isländische Verhältnisse mit einem Oldtimer unterwegs sind. Der Schrotthändler hatte keine Ersatzteile für Autos, welche vor 2000 gebaut worden sind und meinte, dass diese auf Island auch nicht zu bekommen seien. Die Isländer haben während des Finanzhypes nahezu alle ihre alten Autos verkauft und sich neue zugelegt. Aber von diesem Schrotthändler bekamen wir wiederum eine Adresse eines Schrotthändlers in Reikjavik. Dort angekommen machten wir ein langes Gesicht, denn er war nicht zu erreichen. Der nächste Anlaufpunkt war ein großer Autohändler, der auch Opel vertrat. Der junge Mann dort tat alles was in seiner Macht stand, um uns zu helfen. Laut seiner Recherche am PC wurde zwar nie in Island ein Opel Frontera verkauft, dennoch gibt es 12 abgemeldete Fronteras auf der Insel. Er versuchte an die Adressen zu kommen, jedoch war dies sehr zeitaufwendig und er meinte, dass er Ärger mit seinen Chef bekommen würde. Trotzdem  rief er noch auf den Vestmännerinseln bei einem Frontera Besitzer an, dies aber ohne Erfolg.

So langsam war ich am Ende und hätte am liebsten losgeheult. Auch die letzten Adresse, ein Händler speziell für Gebrauchteile brachte nichts ein und ich rief letztendlich doch den ADAC an und bestellte das Ersatzteil. Dies sollte vielleicht morgen, aber spätestens übermorgen mit dem Flieger aus München ankommen. Per Tablet und freiem WLAN habe ich uns dann eine Übernachtung in der Hauptstadt Islands gebucht. Dies war  ein Apartmenthotel. Dort angekommen macht uns niemand die Haustür auf. Erst nach 5 Minuten kamen wir endlich ins Haus. Dort wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht in diesem Haus untergebracht werden sollten, sondern im zweiten Haus des Hotels, ein paar Straßen weiter. Heute war nicht unser Tag.

Endlich angekommen und das Zimmer bezogen. Dies war ein großes Familienzimmer mit 6 Betten. Später machten wir uns auf Reykjavik zu entdecken. Erst einmal Richtung  Innenstadt um Essen zu gehen. Ein verführischer Duft, der aus dem Schornstein eines Hamburger Restaurants kam, lockte uns ins Islenka Hamborgarafabrikkan. Diese hatten eine tolle Auswahl an verschiedenen Hamburgern. Jürgen nahm einen klassischen und ich entschied mich für einen Bacon Hamburger. Beide sehr lecker. Auf jedem Hamburger war kleines Holztäfelchen drauf gesteckt. Weil wir diese so schön fanden, fragte Jürgen am Nachbartisch auf Englisch, ob wir deren beiden Täfelchen bekommen könnten. Der junge Mann meinte daraufhin, wir sollen Deutsch sprechen. Daraus entstand ein tolles Gespräch mit persönlichen Erfahrungen über das isländische Schulsystem, Vulkane, Stürme und vieles mehr. Beim Bummel durch die Stadt hörten wir noch ein kleines tolles Konzert, welches in einem Friseurladen stattfand. Der Laden war voll mit Nippes ausgestattet ünd hatte echt Flair. Der Abend  rettete somit ein wenig den verkorksten Tag.

 

7.8. Auf nach Vik

Da das Paket von unserem Freund noch nicht da war und der ADAC uns mitteilte, dass sie auch nicht so schnell ans Ersatzteil kommen, war uns klar, dass wir eine weitere Nacht in Reykjavik bleiben werden, aber in einen anderem Hotel. Auch heute schien wieder die Sonne. In Reykjavik  wollten wir  heute aber nicht bleiben. Somit ging es in Richtung Vik, um diesmal nach Dyrhólaey zu kommen. Heute schien auch beim Sejlandfoss endlich mal die Sonne, so dass ich endlich mal die Fotos machten konnte, welche ich lange schon im Kopf hatte. Am Skogarfoss fuhren wir diesmal auch nicht vorbei. Der Dyrhólaey war bei unserem letzten Besuch wegen der Vogelbrutzeit komplett gesperrt gewesen. Dieses Jahr konnten wir dort allerdings die Papageientaucher bei ihren lustigen Flugkünsten beobachten. Wir wanderten zum Leuchtturm hoch und dort konnte ich noch ein weiteres Papageientaucher-Paar beobachten.  Wir aßen abends in einem kleinen Restaurant in der Nähe vom Skogarfoss.  Erst spät abends kamen wir wieder in Reykjavik an, nachdem wir in Selfoss, aufgrund einer Baustelle eine Vollsperrung der Ringstraße  erlebten…sind wir in Deutschland?

 

8.8 Reparaturversuch

Mittels Sendungsnummer konnten wir zwar von Island aus feststellen, daß sich das Päckchen mit der Zündsspule bereits auf Island befand, aber nicht genau wo. Die über eine kostenpflichtige Nummer angerufene DHL Mitarbeiterin bestätigte uns zwar das sie dafür zustandig sei, konnte aber mit der Sendungsnummer rein gar nichts anfangen. Im Gegensatz dazu, konnte unsere Gastgeberin des Gästehauses uns kurze Zeit später, mit einem Anruf bei der isländischen Post exakt sagen, wo sich unser Pächchen befindet. Dort konnten wir, obwohl wir nur die Sendungsnummer hatten, das Paket ohne Probleme abholen. Nur Zoll mussten wir darauf bezahlen. Nun mussten wir wieder die 300km bis zu unserem Auto fahren.  Das Wetter war heute zum ersten Mal richtig schlecht. Es regnete die ganze Zeit. In der Nähe von Holtsvöllur nahmen wir eine Pärchen, welche zum Skogarfoss wollten, auf. Sie war gebürtige Isländerin, lebt heute aber Dänemark und er kam aus Dänemark. Als wir in Seljandfoss vorbei fuhren, gab uns die Isländerin den Tipp, einen weiteren Wasserfall in der Nähe anzuschauen, welcher sich in einer Höhle befindet. Nachdem wir die Beiden abgesetzt hatten, ging es im Regen weiter zu unserem Auto. Dort angekommen, machten wir uns im strömenden Regen direkt an die Arbeit. Leider mussten wir feststellen, dass nicht nur die Zündspüle hinüber war. Alles umsonst, auch der Mechaniker könnte uns nicht versprechen, wann er Zeit finden würde, sich den Wagen anzuschauen. Da wir in Kirkjubæjarklaustur keine Übernachtung finden konnten, mussten wir wieder zurück nach Hvolsvöllur. Dort übernachteten wir im Hellisholar Guesthouse,. Falls das Ersatzteil vom ADAC doch noch rechtzeitig kommen sollte, wäre die Fahrt zum Flughafen nicht soweit: Sollte dies nicht der Fall sein, so würden wir noch mal zu unserem Fronti fahren und die Sachen ausladen, welche wir nicht im Wagen lassen wollten.

9.8. Nicht viel los

Heute morgen war klar: der Frontera wird nicht mehr in diesen Urlaub repariert. Da wir sowieso von Anfang an geplant hatten noch mal im Herbst nach Island zu fahren, bleibt der Fronti nun in der Autowerkstatt stehen. Also noch mal die 100 km nach Kirkjubæjarklaustur, um die Sachen aus dem Auto zu holen, die wir nicht dort lassen wollten. Auf der Strecke lag ja der Wasserfall in der Höhle und so fuhren wir dort hin. Während Jürgen sich noch den Erklärbär (Hinweistafel) durchlas, kletterte ich über die Steine und teilweise musste ich auch noch durchs Wasser waten. Dafür wurde ich mit einem tollen Wasserfall belohnt. Zum Abschluss tranken wir noch einen Kaffee im Campingplatz Cafe. Dort lag ein Buch aus, das zeigte was den Superjeeps teilweise im Winter passiert…Achsbrüche und so weiter, dagegen ist unser Schaden vergleichsweise harmlos.

Unterwegs nahmen wir wieder einen Tramper mit. Diesmal ein junger Mann aus Kanada und auch ihn ließen wir am Sokgar-Wasserfall heraus. Ansonsten verlief der Tag ereignislos. Frontera ausladen und dann wieder zurück. Bei Selfoss war dann unsere nächste Übernachtung, bevor es dann in die Westfjorde gehen sollte. Im Guesthouse Bitra lernten wir einen 11jährigen mit seiner Mutter kennen,. Der Kleine sprach schon ziemlich perfekt Englisch und wir unterhielten uns längere Zeit. Für ihn war es unvorstellbar, dass wir in einer Millionstadt leben.

 

10.8 Entspannung pur

Da wir die Ringstraße nun so oft gefahren waren, entschieden wir uns am Pingvallavatn vorbei über die Straße 52 in die Westfjorde zu fahren. An einem kleinen Wasserfall in der Nähe des Gletscher Ok machten im Restaurant Fossatun-Cafe Vinyl eine Pause und aßen einer der besten Tagessuppen, eine Hähnchensuppe mit Curry. Weiter ging es über die Ringstraße  bis zur Abzweigung der 61, die in die Westfjorde führt. Unsere Übernachtung war in Drangsnes. Dort haben die Isländer erst recht spät eine heiße Quelle entdeckt und haben direkt am Fjord drei Jacuzzi mit verschiednen Wassertemperaturen errichtet. Die machten wir, nachdem wir im Hotel Malarhorn unser Zimmer bezogen hatten, auch direkt unsicher. Wie immer lernten wir Gesprächspartner kennen: zwei Deutsche und ein franzosisches Paar und wir unterhielten uns längere Zeit.

 

 

11.8. Papageientaucher

Von Drangsnes aus sollte es zu den Klippen nach Latrabjarg gehen.  Wir fuhren nach Gvendarlaug, eine schon sehr alte Quelle, welche bereits von Bischof Gudmundur der Gute 1237 gesegnet worden ist. Davon unterhalb wurde in den 40er Jahren ein Schwimmbad gebaut. Richtig schwimmen konnte wir dort nicht, da das Wasser war mit 34°C einfach zu warm dafür war. Die Straßen in den Westfjorde sind zum großen Teil noch geschottert, aber wir sahen, dass dort eine Menge passiert: Brücken werden gebaut, welche die Fjorden abkürzen sollen.  Am späten Nachmittag kamen wir am Dynjandi Wasserfall an. Für mich einer der schönsten Wasserfälle Islands. Der Wasserfall stürzt in 5 verschiedenen Stufen herab. Die oberste Stufe hat die Form einer Kaskade. Jürgen blieb im Wagen und wollte etwas schlafen, während ich zur oberen Stufe wanderte. Oben angekommen, nahm ich erstmal ein Schluck klaren Wassers und genoss den Ausblick. Auf dem Weg zum Hotel Latrabjarg kamen wir an einem Schiffswrack vorbei. Das Schiff wurde 1912 in Norwegen gebaut und lief1981 dort auf Grund. Das Hotel Latrajabjarg verdient den Namen allerdings nicht, denn von den Klippen ist es noch ca. 22 km entfernt. Nach dem wir unsere Zimmer bezogen hatten, fuhren wir direkt zu den Klippen, denn inzwischen war es Abend geworden. Die Strecke dorthin gehörte zu den schlechtesten, die wir bis jetzt in Island gefahren sind. Die Papageientaucher belohnten uns jedoch mit ihrerZutraulichkeit. Teilweise hatte man das Gefühl, das sie sich regelrecht in Pose stellten. Einfach nur schön. Die Rückfahrt zog sich in die Länge und das Wetter verschlechterte sich außerdem deutlich. Man sah regelrecht wie der Nebelbänke aufziehen. Wir waren somit froh, als das Hotel auftauchte.

 

12.8 Westfjorde ade

Als wir wach wurden schien wieder die Sonne und nach einem guten Frühstück ging es wieder los. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse entschieden wir uns, dass wir mit der Fähre auf die Snafellnes Halbinsel fahren, um von dort aus zu unserer letzten Übernachtung zu fahren, die in der Nähe von Reykholt war. Da wir recht früh am Fährhafen waren, haben wir uns noch ein wenig umgeschaut und entdeckten in einer kleinen Fischfabrik 30 kg Säcke mit Fischenköpfen. Daraus kann man eine ganze Menge Fischsuppe herstellen. Die Fährfahrt verlief ruhig und die meiste Zeit verbrachten wir auf dem Deck bei schönstem Sonnenschein. Angekommen auf der Snaefellnes Halbinsel fuhren wir die 54 auf dem Stück, welches wir letztes Jahr nicht geschafft hatten. Was soll ich sagen, bis auf ein Schiffswrack haben wir nichts interessantes gesehen. Also letztes Jahr gar nicht so viel verpasst. Unsere nächste Übernachtung lag in einem Hochtemperaturgebiet.Überall sah man es brodeln und rauchen. Das Farmhouse haben wir direkt gefunden und nachdem wir uns mit einem Hamburger gestärkt hatten, fuhren wir zum Harnafoss und Baranfoss. Der Haraunfoss entspringt an viel Stellen und so fließt auf eine Strecke von ca. 1km das Wasser über viele Kaskaden in den Fluß.

Am letzten Abend in Island konnten wir uns noch einmal ein Bad im Hot Pot an unserem Farmhaus gönnen. Leider roch es sehr stark nach Schwefel und war mit 42°C doch ein wenig zu warm, um dort eine längere Zeit zu verweilen.

 

13.8 Es geht zurück in die Heimat

Heute Nacht wird unser Flieger nach Hause starten und nach dem wir alles gepackt hatten, fuhren nach dem Frühstück in Richtung Reykjavik. Über ein paar Nebenstraßen, anstatt der  Ringstraße kamen wir in der Hauptstadt an. Als ich dann noch einen Anruf vom Zollamt bekam, mussten wir dann auch noch erst in Richtung Flughafen fahren, um das Ersatzteil vom ADAC abzuholen, um es dann weiter zur Werkstatt zu leiten. Irgendwie war die Luft raus und auch das Wetter spielte nicht mehr so richtig mit, so das wir in der Stadt nur noch in unser Lieblings-Hamburger Restaurant gefahren sind. Es wurde nun langsam Zeit unseren Mietwagen wieder abzugeben und mit den Flybus nach Keflavik zu fahren.

Fazit: Trotzdem wir mit unserem Wagen soviel Stress hatten, haben wir das Beste daraus gemacht und die Zeit auf Island genossen. Wir haben viele Isländer kennengelernt, die uns geholfen haben, aber leider auch ein paar Wenige, die unsere missliche Lage ausgenutzt haben. Durch die Übernachtungen in den Farmhäusern haben wir diesmal viel mehr Einheimische kennengelernt und haben vieles über die Insel und ihre Einwohner gelernt. Wir freuen uns schon auf den Herbst, denn dann werden wiederkommen, um unseren Fronti abzuholen.

 

….doch es sollte alles anders kommen.

 

Fortsetzung folgt!

Weitere Bilder gibt es wieder unter dem Fotoalbum  Island 2013 zu sehen.