Ganz Island unter der Sonne - 2012 - Vestur Ísland - West Island

14.6. Auch in Island ist es bunt

Nach Weckerklingeln und doch recht zügigem Frühstück und Endreinigung um 9:30 losgefahren. Die heutige Strecke war deutlicher kürzer, nur „420 km“. Ein kleiner Umweg war auf jeden Fall eingeplant. Wir wollten zu einem Trollfelsen in Hvitserkur. Ein schöner Leuchtturm war leider zu weit entfernt. Noch kurz vor der Abfahrt von dem Farmer-Paar verabschiedet. Hinter Akureyri begann die Passhöhe Öxnadasheiði, die laut unserem Reiseführer im Winter nur mit Mühe schneefrei gehalten werden kann und deshalb dort eine Schutzhütte gebaut worden ist. Nachdem wir die Passhöhe erreicht hatten  ging es abwärts ins Norðurárdaldur. Hier blühten am Straßenrand für Island untypisch eine ganze Menge verschiedenfarbige knallbunte Blumen, die schon von einem Niederländer fotografiert wurden. Wir hielten kurz darauf auf am nächsten Parkplatz an und gingen ein Stück zurück. Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich die Blumen als isländischer Mohn, welcher in den die Farben orange, gelb, rot und weiß blüte. Ein Farbenmeer. Kurz nachdem wir unsere Fotosession beendeten hatten, hielt eine Gruppe Motoradfahrer an, welche nach uns die bunten Mohnblumen knipsten.

Die Umgebung wurde wieder freundlicher und wir bogen auf die 717 ab, die uns an die alte Festungsanlage Borgavirki führte. Ob diese wirklich von Menschenhand erbauten wurde ist nicht archäologisch nicht gesichert und für mich waren es nur Steinreste. So etwas bin ich von Schottland mit seinen Brochs doch anders gewohnt. Bald waren wir an unserem eigentlichen Ziel angekommen, dem Trollfelsen Hvítserkur. Nur von der Plattform aus wollten wir aber nicht fotografieren und so klettern bzw. rutschen einen schlechten Weg zum Strand herunter. Was macht man nicht alles für das perfekte Foto.

In Laugarbakki machten wir in einen Cafe, welches am Campingplatz lag, eine Pause. Das Cafe war auch gleichzeitig ein Shop und Trödelladen. Conrad erstand dort eine handgestrickte Mütze und ich ein paar Handschuhe mit einem filigranen Muster. Die frisch gebackenen Waffeln aßen wir gemütlich in den alten Polstermöbeln sitzend. Später führte uns die Ringstraße wieder auf einen Hochlandpass, dem Holtavörðuheiði, auch dort war eine Schutzhütte errichtet. Nahezu am Ende dieses schroffen Tales angekommen, lag zur Rechten ein Bachlauf, welcher unter einer alten Betonbogenbrücke hindurch floss. Conrad und ich führten Langzeitbelichtungen durch, während Jürgen den Bachlauf nach oben zu einem kleinem Wasserfall hinaufging.

Bald darauf kamen wir in das Ferienhausgebiet und nach einer kurzen Suche das Ferienhaus auf einem Hügel liegend mit darum wachsenden großen Baumen, so das man es nicht dirket sah, gefunden. Wir packten den Wagen aus und richten uns im Haus ein. Dies war sehr gemütlich eingerichtet und war insgesamt das schönste Haus, welches wir auf dieser Reise bewohnten.

 

15.6 Ein traumhafter Tag mit Hindernisse

Das heutige Tagesziel war die Halbinsel Snæfellsnes, welche auch gerne als klein Island bezeichnet wird, da die Halbinsel alles besitzt was Island ausmacht: Vulkan, Wasserfälle und Gletscher. Am Snæfellsjökull lässt Jules Verne auch die Reise zum Mittelpunkt der Erde beginnen.

Der Tag begann wieder mit viel Sonnenschein, wie fast jeden Tag. Die erste Station war der  Strand von Ytri Tunga, dort sollte man öfters Seehunde beobachten können. Doch vorher machten wir noch eine kleine Kaffeepause und entdeckten dort ein Bild von einem tollen Wasserfall mit einem kegelförmigen Berg im Hintergrund. Wir schauten uns im Cafe eine großeLandkarte an und nach längerem Suchen fanden wir auch den Wasserfall Kirkjufellsfoss, er lagauf der anderen Seite der Halbinsel.

Vom Cafe ging es direkt zum Strand, leider von Seehunden keine Spur, dafür war es für Vogelbeobachter ein Paradies:  Austernfischer, Seeschwalben und viele mehr. Wir machten einen kleinen Spaziergang am Strand und immer wieder hatte man den Blick auf den Snæfellsjökull. In Arnarstapi machten wir eine längere Pause. Ein wirklich malerischer Ort, ein kleiner Hafen, eine Klippenlandschaft, im Hintergrund der Gletscher und eine Vogelkolonie. Inzwischen war es auch für Island recht warm geworden und so legte Jürgen sich auf die Wiese, während Conrad und ich fotografierten. Im Gästehaus aßen wir zu Mittag. Dort stand neben unserem kleinen RV4 ein Allradwagen, dessen Einstieg erst auf Höhe unseres Daches begann. Mit diesem Wagen werden wohl die Gletschertouren gemacht.

Unser nächster Halt sollte Hellnar sein, ein altes verlassenes Fischerdorf. Leider sah man nur noch ein paar minimale Fundamente, aber dies einmal ein Dorf gewesen war, konnte man nicht erkennen. Wir waren ein wenig enttäuscht und fuhren weiter zu mehren Trollfelsen. Leider  waren sie nicht so fotogen wie wir gedacht hatten, ebenso ein Vogelfelsen, der nicht im Wasser stand. Irgendwie hatten die Isländer uns mit ihren Troll- und Elfenglauben angesteckt, denn bei der Wanderung zum Vogelfelsen sahen wir einen Stein, der mit seinem Grasbüschel obendrauf, wie ein kleiner Troll aussah.

Bald darauf machten wir einen Stopp, um einen weißen Leuchtturm an einem schwarzen Lavastrand abzulichten. Beim Fotografieren erwischte mich eine Welle und ich hatte nasse Füße. Bei diesem tollen Wetter aber kein Problem. Es ging weiter auf der 574, um dann auf eine Nebenstraße zuabzubiegen, welche zu zwei weiteren Leuchttürmen führen sollte. Bis zum einem Strand war die Straße noch in gutem Zustand: Danach sollte man besser einen Allradwagen haben. Interessant war, dass man an diesen Strand ein Wikingergrab gefunden hatte. Der Leuchtturm war mit seiner leuchtend gelben Farbe, schon vom Weiten zu sehen. Der Lage des Turmes war als traumhaft zu bezeichnen. Im Hintergrund sahen wir wieder den Gletscher und im Vordergrund gab es viele Vogelkolonien, hauptsächlich aus Möwen und Lummen. Am Leuchtturm gab es eine Erklärtafel, sogar Papageientaucher sollten dort nisten. Leider habe ich keine gesehen. Jürgen wollte mir einen Gefallen tun und brachte mir mein Stativ, obwohl ich es nicht benötigte. Leider vergaßen wir es dann an dieser Stelle. Dies fiel mir leider erst  am Wasserfall auf. Vorher machten wir an einen Lupinenfeld halt, in dessen Hintergrund eine Kirche und wieder einmal der Gletscher zu sehen waren. Ebenso hielten wir an eine Herde Islandpferde an, welche vor einem kleinen Wasserfall standen und die Abendsonne schimmerte durch deren Fell. Den Kirkjufellsfoss fanden wir dann auch recht zügig und Conrad lieh mir sein Stativ samtKamera, damit ich auch noch meine Langzeitbelichtung machen  konnte. Wir entschieden, noch mal zum Leuchtturm zurück zu fahren, um nach dem Stativ zu sehen. Leider war es nicht mehr da und so fuhren wir unverrichteter  Dinge zurück. Inzwischen ging die Sonne unter und auf dem Rückweg zu unserem Ferienhaus sahen wir dann auch noch den Sonnenaufgang. Es war wieder 2:00 nachts geworden, als wir dort ankamen.

 

16.6 Manchmal regnet es auch in Island

Heute begann der Tag nicht besonders gut, denn mussten mit Schrecken feststellen, das unser Haus keine Wasser hatte. Das heißt kein Duschen nach den gestrigen anstrengenden Tag und was noch  schlimmer war…kein Kaffee. Jürgen erkundigte sich bei unserem Nachbar, ob dort vielleicht Wasser vorhanden sei, auch dort war fast kein Wasser mehr da. Unser Haus lag am höchsten Punkt der Siedlung und war somit das erste wasserlose Haus. Da es nicht so aussah, das dieser Fehler an diesem Tag noch behoben werden könnte, besorgte uns Viator im Auftrag von Katla Reisen, ein 4 Sterne Hotel in unserem Wunschgebiet. Hier muss man dem Reiseanbieter allergrößtes Lob aussprechen, der Service war perfekt. So ginig es nach einer kurzen Reinigung des Hauses in Richtung Golden Circle, das Mussprogramm für alle Islandreisende. Leider hatten wir durch die ganze Aktion einen halben Tag verloren.

Auf dem Weg zum Nationalheiligtum der Isländer wurde zum ersten Mal das Wetter schlechter, später regnete und schneite es sogar. In Þingvellir  wurde die erste Nationalversammlung um 930 abgehalten und 1944 die Unhabhändigkeit von Dänemark erklärt. Wir machten das obligatorische Foto von der malerischen Kirche und spazierten ein wenig herum. In diesem Gebiet triften auch die amerikanische und europäische Platte auseinander, welches an den vielen Spalten gut erkennbar ist. 2010 ist sogar ein Weg gesperrt worden, weil unter ihm eine Hohlkammer gefunden wurde.  Viele der Spalten sind mit Wasser gefüllt, welches so klar ist, das man mehrere Meter tief auf den Grund sehen konnte.

Nach Pingvillier entschieden wir uns, erst zu ins Hotel einzuchecken und erst am Abend zum Geysir Strokkur und zum Gullfoss zu fahren,  um sicher zu gehen, dass es mit der Buchung seine Richtigkeit hatte. Dort angekommen stellten wir fest, dass die beiden Zimmer auf Katla Reisen gebucht waren und somit keinerlei zusätzliche Kosten auf uns zu kamen. Wir stärkten uns noch mit einem Essen und fuhren dann wieder zum Circle zurück, um uns den Geysir Strokkur und den Gullfoss anzusehen. Im Geysirgebiet waren wir erst gegen 23:00 und sahen noch die letzte Reisegruppe zurück gehen und waren somit fast alleine dort. Es gab immer mal ein paar Leute, welche genauso wie wir sehr spät an irgendwelchen Touripunkten waren. Leider waren die Lichtverhältnisse nicht besonders, trotzdem versuchten wir den Strokkur mit seinen Ausbrüchen aufs Bild zu bekommen. Der Geysir selbst ist “in Rente“, dass heißt er bricht nur noch sehr selten aus. Beim Strokur  soll es ca. alle 20 min zu einer Fontäne kommen. Als wir dort waren gab der Strokkur sich besonders viel Mühe und brach ca. alle 5 min aus. Zum Schluss fuhren wir dann noch zum Gullfoss, und es ging gegen 1:00 zurück ins Hotel.

 

17.6. Abschied nehmen

Heute hieß es Abschied nehmen von Island, denn gegen 16:00 sollte unser Rückflug nach Deutschland starten. Doch den Rest der Zeit wollten wir noch genießen und so schwammen Jürgen und ich im Schwimmbad des Hotels. Bei einer Außentemperatur von ca. 3°C schwammen wir ein wenig und setzten uns im Anschluss daran in einen sogenannten 42°C heißen Hot Pot. So erfrischt ging es dann zum Frühstück, welches für ein 4 Sterne Hotel sehr mager ausfiel.

Das Hotel lag ca. 1 Stunde von Reykjavik entfernt. Somit hatten wir noch recht viel Zeit bis wir am Flughafen sein mussten. Wir entschieden die Halbinsel Reykjanesskagi zu erkunden. Erst ging es an Reykjavik vorbei. in Richtung Grindavik, einer Hafenstadt. Dort war  nichts besonderes zu entdecken. So machten wir uns auf zu einen Leuchtturm und Aussichtspunkt auf die Insel Eldey, einer Vogelinsel, auf der die letzten Alk lebten, bevor sie in den 60iger Jahren ausstarben. Am Leuchtturm entdecken wir ein weiteres Geothermalfeld, das Gunnuhver. Dort gab es mehrere Kraftwerke, ebenso auch einen blauen Lagunensee. Nachdem wir noch recht viele Fotos der Solfataren und Fumarolen machten ging es zum Flughafen. Vorher wurde noch der Wäschesack eingeworfen. Das Auto zurückgegeben und dank Erik brauchten wir nicht zum Flughafen laufen.  Die Zeit bis zum Einchecken nutze ich noch, um meinen Tax Free Einkauf anzumelden. Zum Nationalfeiertag der Isländer gab es im Flieger noch ein Eis von Icelandair.

 

 

Fazit:

Wenn möglich würde ich sofort wieder nach Island fliegen. Ich denke, wohl jeder Islandreisende fühlt sich so, der von dem Zauber des Landes erfasst wurde. Um das Land kennen zu lernen war diese Rundreise gut. Leider verbrachten wir zu viel Zeit im Auto, bei fast 4000 km kein Wunder. Es blieb zu wenig Zeit Land und Menschen kennen zu lernen.

….vielen Dank an Conrad für den tollen Urlaub

 

Weitere Bilder gibt es unter dem Fotoalbum Island zu sehen.

 

Preislich lag unsere Reise deutlich unter dem, was wir veranschlagthatten:

Tanken:           1,56 € je Liter

Abendessen:   3 x Burger und 3 Kaffee 7000 ISK (ca.14,50€ pro Person)

Einkaufen:      die Supermarktpreise entsprechen dem deutschen Preisniveau

 

Literaturquellen:

Iwanowsky Reisefüher

Lonely Planet

Merian