Toskana 2010

 

In diesem Jahr ging es in Richtung Süden, genauer gesagt in die Toskana. Eine Landschaft, die verschiedener nicht sein kann. Im Norden wird sie von einer Bergkette getrennt, dann folgt das Chantigebiet und jenseits von Siena folgt die Crete, eine sanfte fast baumlose Hügellandschaft, auf deren Spitze sich ab und zu eine Reihe Zypressen oder ein einsames Haus zeigt. Die Crete sollte unser Hauptreiseziel werden.

 

1.Tag

Wir flogen mit einem Billigflieger nach Bologna, da dies für uns die preiswerteste Verbindung gewesen ist in die Toskana zu kommen. Alle Flughäfen in der Toskana waren wesentlich teurer anzufliegen. Von dort aus sollte es per Mietwagen Richtung Toskana gehen. Leider verspätete sich  unser Flug, so dass wir erst gegen 18:00 Uhr vom Flughafen in Bologna weg kamen.

Im Gegensatz zu unseren bisherigen Mietwagen, bekamen wir kein Upgrade, sondern genau die Fahrzeugklasse, welche wir gebucht hatten. Wir konnten zwischen einem Fiat 500 und dem Kleinwagen Lancia Y wählen. Aufgrund des Namens Lancia und der Annahme er wäre geräumiger als der Fiat entschied Jürgen den Lancia zu nehmen. Später bekam eine dreiköpfige Gruppe junger Männer, keiner kleiner als 1,80 m den 500er Fiat. Die Drei quetschten sich samt ihrem recht umfangreichen Gepäck in den Kult-Kleinstwagen.

Eine Unterkunft hatten wir nochnicht vorher gebucht. Wir wollten sie, wir es von Schottland gewohnt waren, vor Ort suchen. Leider hatten vergessen, dass genau an diesem Abend das erste Spiel der Italiener bei der Fußball-WM lief. Dies erschwerte uns die Suche ebenso, wie das wir nur für eine Nacht  bleiben wollten. Da es immer später wurde und wir kein Zimmer fanden, fuhren wir ausnahmsweise ein Hotel im Chantigebiet an. Das Hotel Borgo di Fontebussi war ein umgebauter Gutshof und sah aus, als wäre es nicht unsere übliche Preisklasse. Bei der Nennung des Preises war ich jedoch sehr erstaunt, denn 140 € für eine Nacht inkl. Frühstück fand ich für diesen Standard wiederum preiswert. Wir nahmen das Zimmer, obwohl wir vorher noch nie so teuer übernachten haben, denn wir waren die Suche leid. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, machten wir noch einen kleinen Rundgang und entdeckten dabei noch einen 25 m Pool. Den würden wir am nächsten Morgen auf jeden Fall testen.

 

2.Tag

Heute Morgen sah das Wetter nicht besonders gut aus, doch es ist noch richtig warm geworden, so dass wir vor dem Frühstück schwimmen gegangen sind. Wir genossen das 25 m Becken fast für uns alleine. Später ging es auf die Terrasse mit einer traumhaften Aussicht zum Frühstücken. Das Frühstück bestand wie hauptsächlich in Italien meist aus süßen Sachen. Leider fing es an zu regnen, so dass wir uns entschieden weiter zu fahren und nicht noch einmal schwimmen zu gehen.

Wir machten uns auf den Weg in die Crete, entlang der Strada dei Castelli, der Burgenstraße. In diesem Gebiet stehen die meisten Burgen. Die Entfernungen zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten sind sehr gering und die Abstecher betragen meistens nur 2-3 km. Wir fuhren zum Badia a Coltibuono, ein Kloster aus dem 15. Jh, in dem der erste Chiantiwein produziert sein soll. Da der Eintritt 5 € betrug, ersparten wir uns die Besichtigung. Weiter ging es zum Castello di Brolio, zu einem der bekanntesten Schlössern des Chianti Gebietes. Dort kann man nur den Garten besichtigen, denn dieses Schloss ist noch bewohnt. Laut unserem Reiseführer sollte das schönste Fotomotiv die Rückseite des Schlosses sein. Also gingen wir um die Burgmauer entlang und wurden mit einem schönen Blick belohnt, denn auch so langsam wurde auch das Wetter immer besser. Über einem Schotterweg, der nicht auf unsere Karte eingezeichnet war, ging es weiter direkt in die Crete. Wir fanden dann auch ziemlich schnell eine Übernachtungsmöglichkeit: ein Appartement mit Frühstück und Pool mitten in der Crete Landschaft.  Wir fuhren noch ein bisschen mit dem Auto umher, machten hier und dort ein paar Fotostopps. In Ascino gingen wir erst noch einkaufen und später noch lecker essen. Da wir der italienischen Sprache nicht mächtig sind, war das Essen bestellen ein kleines Abenteuer. Jürgen bestellte sich eine Pizza mit Rucola, Schinken und ich Tagattielle mit Funghi. Ich rechnete mit Champignons und bekam Pfifferlinge. Sehr lecker! Für Jürgen war es eine der leckersten Pizzen mit Rucola, Schinken  überhaupt. Danach ging es wieder zurück zu unserem Appartement.

 

3.Tag

Der heutige Tag stand im Zeichen des Wanderns. Vorher stand ich noch um 6.00 auf, um die Lichtstimmung einzufangen. In der Nacht hatte es ein Gewitter gegeben, welches noch nicht ganz vorbei gezogen war und somit war das Licht teilweise  traumhaft schön. Doch für die blaue Stunde war ich zu spät aufgestanden. Nach den Frühstück mussten wir erst noch den Pool ausprobieren, bevor wir nach Bagno Vignoni, ein Ort am Anfang des Val d´Orcia, aufbrachen. Dort hatten wir uns eine Wanderung aus den Buch „Wandern in der Toskana von DuMont aktiv (ISBN 978-3770147755) ausgesucht. Laut Buch beträgt die Strecke 11 km, wurde als einfach bezeichnet und die Dauer sollte 3:20 Stunden betragen, also genau richtig für uns.

Auf der Strecke dort hin sahen wir von der Straße aus eine kleine Ausgrabung, wo mehre Menschen mit Pinsel tätig waren. Wir hielten an und sahen uns dies etwas genauer an. Am Rand waren Schautafeln aufgebaut, doch leider nur auf Italienisch. Auf einer dieser Tafeln stand, dass dort auch drei Skelette,  von zwei Frauen (ca. 16 und 30 Jahre alt) und einem jungen Mann (ca. 18 Jahre) gefunden wurden. Die junge Frau wurde in einer seltsamen Körperhaltung gefunden. Warum dies so war, darüber konnten wir nur spekulieren. Die Mitarbeiter der Ausgrabung waren sehr freundlich und erklärten uns, dass es sich um eine römische Ausgrabung handelt, über welcher eine Kirche aus dem Mittelalter stand. Wir fragten, wie diese Ausgrabungen zeitlich voneinander getrennt werden können. Die Erklärung war sehr einfach. Der Mörtel, welchen die  Römer verwendeten war so gut, das dieser bis heute noch vom schlechteren mittelalterlichen Mörtel zu unterscheiden  ist.

Weiter ging es nach Bagno Vignoni, ein alter Kurort. Dort gibt es heiße Quellen, in deren schon  Lorenzo I. de’ Medici gebadet hatte. Die Wanderung begann direkt hinter dem alten Badeplatz und am Anfang stimmten die Zeitangaben noch mit unserem Tempo überein. Wir sahen viele interessante Sachen, z.B. Orchideen oder ein altes verrostetes Fiat 500 Chassis, welches dort wohl schon länger stand. An einer Ruine des alten Guts Podere Coroglie machten wir eine längere Pause. Danach kam ein größerer Anstieg, welcher leider nicht mehr durch einen schattigen Wald ging, da dieser gerodet worden war. Die Maschinen und Erosion hatten den Weg komplett zerstört und so mussten wir hauptsächlich über große Steine klettern. Dies war für mich besonders anstrengend.

Die Wanderung führte weiter durch das alte Stadttor von Vignoni, ein winziges mittelalterliches Dorf (Stadt), welches kaum noch bewohnt war. Wir sahen noch zwei offensichtlich bewohnte Häuser und in ein paar Häusern waren noch Handwerker tätig. An einem Brunnen zapfte eine Anwohnerin gerade Wasser um damit wohl zu putzen und wir füllten unsere kleinen Wasserflaschen mit Wasser und duschten uns förmlich damit. Welch eine Erfrischung. So erfrischt konnten wir die zweite Hälfte der Wanderung in Angriff nehmen.

Das nächste Teilstück war relativ uninteressant, der Weg führte hauptsächlich nur auf Asphalt- oder Schotterstraßen, einzig der Ausblick auf Montalcino lohnte sich. Doch bald danach ging es wieder in den Wald und die Strecke wurde wieder schöner und es ging wieder langsam abwärts. Die Stundenangaben von unserem Wanderführer hatten wir schon weit überschritten und das Ende war noch nicht annähernd in Sicht.

An der Abzweigung zur Burg Ripa d`Orcia überlegten wir, ob wir noch den Abstecher zur Burg gehen  sollten oder nicht. Doch laut unserem Wanderführer sollte es dort eine schöne Aussicht übers Orcia Tal  geben und zusätzlich lasen wir den Hinweis auf ein Cafe. Beides überzeugte uns dann doch den Umweg zu gehen, obwohl wir schon ziemlich geschafft waren. Die Aussicht auf ein kühles Getränk und etwas zu essen beflügelte uns, doch das dicke Ende sollte noch kommen. An der Burg angekommen, welche übrigens ein Hotel ist, war der Weg zur Aussicht gesperrt und das Cafe existierte nicht mehr. Die Begründung stand in englischer Sprache auf eine Pappe gekritzelt. Der Wortlaut  lautete ungefähr so: Da die Gemeinde nicht bereit ist den Weg zu pflegen, müssen wir das Cafe und die Aussicht leider schließen. Jürgen und ich machten lange Gesichter, und ich schrieb wütend auf diese Pappe: Dies hätte man auch an der Abzweigung schreiben können, damit sich die Wanderer den Umweg sparen können (natürlich auch  in Englisch).

Also den Weg wieder zurück. Nun ging es wieder abwärts ins Tal. Doch auch dieser Weg war nicht ganz einfach, denn er führte immer durch ein trockenes Bachbett, also über viele kleine Steine und wir mussten aufpassen, dass wir nicht mit unseren Füßen umknickten. Am Ende kamen wir an den Fluss Orcia und machten dort eine kleine Pause. Der verblockte Fluss sah mit seinen großen Steinen und den dazwischen langsam strömenden Wasser verlockend aus, um darin zu schwimmen. Obwohl schon über 5 Stunden unterwegs, waren wir noch nicht am Ende der Wanderung und ich allerdings am Ende meiner Kräfte. Zum Glück ging es flach weiter, vorbei an einem Steinbruch und einer Fabrikruine. Laut der Beschreibung endet die Wanderung an einer Kalksteinterrasse. Zur unsere Überraschung endeten  die Terrassen in einem kleinen natürlichen Pool und die Wassertemperatur entsprach dem von Badewannenwasser. Leider hatten wir unsere Badesachen nicht dabei, also die Schuhe aus und die dampfenden Füße rein. Eine herrliche Erfrischung. Wir genossen eine halbe Stunde lang das Wasser und machten uns dann über den Weg durch die Kalksteinterrassen auf zum letzten Anstieg nach Bagno Vignoni. Auf dem Gelände der Kalksteinterrassen machten wir noch ein paar Fotostopps.

Am Ende der Wanderung hatten wir deutlich mehr Zeit gebraucht als im Buch vorgegeben. Unsere Zeit betrug 6 Stunden, gegenüber der Zeitangabe im Wanderführer von zirka 3 Stunden 20 Minuten.Der wesentliche Vorteil des Wanderführers waren seine korrekten Angaben zur Wegführung. Dazu muss man einfach sagen, das wir keine geübte Wanderer sind und großen den Fehler gemacht haben erst zur Mittagszeit anzufangen. Ein wesentlicher Vorteil war allerdings, dass wir genug Wasser dabei hatten.

 

4.Tag

Aufgrund des gestrigen anstrengenden Tages wollten wir es nun ruhig angehen lassen. Nachdem Frühstück machten wir es uns am Pool gemütlich und genossen die Sonne. Für den Nachmittag wollten wir  die Klosterruine San Galgano, eines der wichtigsten Gotikbauwerke der Toskana. besichtigen.

Gegen Zwei Uhr fuhren wir los. Auf dem Rückweg wollten wir, wenn die Zeit noch reicht, durch das  Orcia-Tal und über Pienza wieder zu unserem B&B fahren.

Auf dem Weg zur Klosterruine fuhren wir eine lange Zeit durch eine Waldgegend, welche uns an das Bergische Land oder die Eifel erinnerte. Am Kloster angekommen sahen wir am Horizont ein starkes Gewitter. Wir hofften, dass das Wetter nicht auf uns zukommt. Aber erstmal sahen wir uns die Ruine genauer an. Sie wird heutzutage teilweise für Theater und Musikaufführungen benutzt. Es wurde gerade eine Bühne und deren Kulissen aufgebaut.Durch die Fenster sahen wir noch die Kirche von Montesiepi, heutzutage eine beliebte Kapelle für Hochzeiten. Die Hoffnung, dass das schlechte Wetter uns nicht erreicht, erfüllte sich leider nicht und so setzten wir uns ins nahe gelegene Cafe, bis sich das Gewitter verzogen hatte.

Wir fuhren nun weiter in Richtung Orcia Tal, welches wir nun an Rande erreichten. Leider war es schon spät und so machten wir uns direkt in Richtung Pienza auf. Auch hier machten wir ständig Fotostopps, wobei ich durch Zufall ein typisches Toskana Motiv erwischte, die Kapelle Santa Maria di Vitaleta bei San Quirico d'Orcia . In Ascino aßen wir wieder in unserem Lieblingsrestaurant. Dummerweise aß Jürgen die gleiche Pizza, wie beim letzten Mal. Allerdings war die Qualität, insbesondere die des Schinkens nicht annähernd so gut, wie bei unserem ersten Restaurantbesuch. Demgegenüber war mein gegrilltes Rindersteak mit extra Salat sehr lecker. Der Montepulciano Rotwein schmeckte hervorragend und hatte es in sich.

 

5.Tag

Heute ist unser letzter Urlaubstag, gegen 16:00 geht unsere Maschine in Richtung Köln. Doch heute wollte ich den Sonnenaufgang erleben, dies hieß um 4:15 aufzustehen. Man muss schon ganz schön verrückt sein, um Fotos um diese Zeit zu machen, doch werde ich immer wieder mit tollen Motiven und Erlebnissen belohnt. Letztes Jahr in Schottland begegnete mir nach dem Fotografieren morgens überraschend ein Hirsch und diesmal ein Reh. In den Tälern der Crete lag Nebel und gab den Bildern eine besondere Note, aber es war auch eine fotografische Herausforderung. Gegen 6:00 ging es zurück zum  B&B und ich legte mich noch bis zum Frühstück hin.

Schnell waren die Koffer gepackt und im Auto verstaut. Danach machten wir uns es noch am Pool gemütlich. Gegen 12:00 fuhren wir zum Flughafen nach Bologna. Sehr frühzeitig, denn auf dem Hinweg gab es auf der Gegenspur aufgrund von Baustellen, kilometerlange Staus. Während der Fahrt hörten wir das zweite Deutschlandspiel bei der WM, der Gegner war Serbien. Jürgen und ich amüsierten uns über die italienischen Aussprachen der deutschen Spieler. Gar nicht lustig war das Ergebnis, als wir hörten Germania zero:Serbia uno. Den Schluss des Spieles bekamen wir leider nicht mehr mit, da wir am Flughafen angekommen waren und unser Auto wieder abgeben mussten.Am Schalter des Autovermieters bekamen wir das Endergebnis des Spieles mitgeteilt. Leider hatte es sich nicht verändert, Deutschland verlor 1:0. Später erfuhren wir, dass das Spiel sehr verrückt gewesen war, es gab viele gelbe Karten und sogar einen Platzverweis, viele der Karten sollen aber unberechtigt gewesen sein. Na ja, zum Schluss wurde Deutschland dann WM Dritter. Mit dem Flugzeug ging es nun in Richtung Heimat.

 

Fazit: Die Toskana, insbesondere die Crete, ist auf jeden Fall eine Reise wert, doch mussten wir erstaunt feststellen, dass diese Reise nicht billig ist. Im Vergleich zu Schottland müssen auf jeden Fall Mehrkosten für das Auto und die Übernachtungen eingerechnet werden. Während wir bei der Autovermietung in Schottland und Mallorca immer ein Upgrade bekamen, haben wir Italien genau das Auto bekommen, welches wir gebucht hatten und das für wesentlich mehr Geld.(Italien: ca. 220 €, dagegen  Schottland: ca. 120 € für 5 Wochentage), auch die Übernachtungen sind im Durchschnitt, bei gleichem Standard ca. 20 € teurer.

 

Weitere Bilder gibt es unter Fotoalbum  Toskana zu sehen.